Entwicklungshilfe mit dem Kinderlaptop

Projekt Geospatial Learning in Ruanda, © Universität Münster

Junge Wissenschaftler der Universität Münster waren für zwei Wochen in Ruandas Hauptstadt Kigali im Einsatz. Dort haben sie gemeinsam mit Schülern der Kagugu-Grundschule eine Lernsoftware getestet, die am Institut für Geoinformatik für das sogenannte 100-Dollar-Laptop entwickelt wurde. Mit dem Programm ist es möglich, das räumliche Denken von Kindern und Jugendlichen durch digitale Kartensoftware zu fördern und zugleich spielerisch den Umgang mit modernen Navigationssystemen und -programmen, wie zum Beispiel “Google Earth”, zu vermitteln.

So konnten die Jungen und Mädchen mithilfe der handlichen Minirechner und mit Satellitenempfängern auf eigene Faust ihren Schulhof und die unmittelbare Umgebung vermessen und die Ergebnisse anschließend auf digitale Karten übertragen und ansehen.

Henning Bredel, Diplom-Student am Institut für Geoinformatik und Hauptentwickler der Software, sowie Thomas Bartoschek, Doktorand am gleichen Institut, wollen mit ihrer Arbeit in Ruanda einen Beitrag zur Entwicklung des Landes hin zu einer modernen Wissensgesellschaft leisten. Die ruandische Regierung verfolgt dieses Ziel seit einigen Jahren, unter anderem mit einer verbesserten technischen Ausrüstung der Schulen des Landes. Die besonders preiswerten 100-Dollar-Laptops, die speziell für Kinder in Entwicklungsländern entwickelt wurden, sind ein wichtiger Eckpfeiler dieses Konzepts.

Bei den Schülern und Lehrern an der Kagugu-Grundschule ist das Projekt toll angenommen worden. Die Software hat hervorragend funktioniert, und wir konnten tatsächlich schon nach wenigen Übungseinheiten einen Lernerfolg bei den Schülerinnen und Schülern feststellen. Es war unser Ziel, das räumliche Verstehen der Kinder mithilfe digitaler Karten zu fördern, und das ist uns voll gelungen“, so Thomas Bartoschek nach seiner Rückkehr.

Die robusten und kindgerechten Laptops wurden bereits im März an der Bodelschwinghschule in Münster erfolgreich erprobt. Durch den Einsatz ihrer Software in verschiedenen Ländern verfolgen die münsterschen Wissenschaftler auch einen interkulturellen Forschungsansatz: Sie wollen herausfinden, ob es kulturell bedingt unterschiedliche Herangehensweisen bei der Arbeit mit digitaler Kartensoftware gibt. Diese Erkenntnisse sollen in die weitere Entwicklungsarbeit einfließen, um so möglichst universal verständliche Anwendungen für Kinder und Jugendliche herstellen zu können.

Führende Mitarbeiter der Initiative “One-Laptop-per-Child”, die den 100-Dollar-Laptop konzipiert und sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst vielen Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern Zugang zu den Geräten zu verschaffen, zeigten sich begeistert über die Arbeit der münsterschen Wissenschaftler in Kigali. So wurde bereits angekündigt, die Software zukünftig auf allen derzeit rund 140.000 Rechnern in Ruanda einsetzen zu wollen. Zudem werden Überlegungen angestellt, das Programms auch in Uruguay, wo bereits eine Million der kompakten Rechner verteilt wurde, anzuwenden.

Unterstützung bekommen die ”One-Laptop-per-Child”-Mitarbeiter dabei unter anderem durch das Institut für Geoinformatik der Universität Münster, die gemeinnützige “Open Source”-Initiative “52° North” und die Firma ESRI, die gemeinsam für die Entsendung der beiden Nachwuchswissenschaftler verantwortlich waren und derzeit nach weiteren Partnern suchen, um mit zusätzlichen finanziellen Förderungen die Arbeit an diesem Erfolg versprechenden Projekt auszuweiten.

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Autor: Universität Münster, Presse- und Informationsamt

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